Wenn die Haut wie Feuer brennt

Wer das Pech hat, an einer Nesselsucht zu erkranken, der weiß, wie schwer es ist, Informationen zu dieser schwierigen und das Leben verändernden Erkrankung zu erhalten. Seit über 10 Jahren informieren wir Sie über Wissenswertes zu dieser Erkrankung unter www.urtikaria.net, geben dabei praktische Tipps und beantworten Fragen von Betroffenen. Die Nachfrage ist enorm, und täglich erreichen uns neue Anfragen und Erfahrungsberichte. Deshalb haben wir 2005 die wichtigsten Ratschläge und Informationen in Form eines überschaubaren Ratgebers aufbereitet. Sie halten nun die zweite, überarbeitete und aktualisierte Auflage dieses Ratgebers in Ihren Händen. Sie werden sehen, dass es uns besonders darauf ankommt, praxisnah und aktuell zu informieren.

Die Autoren der Beiträge, allesamt Urtikariaspezialisten an deutschen Universitäts- Hautkliniken, wissen aus ihrer jahrelangen Erfahrung, was Urtikariapatienten „unter den Nägeln“ brennt: Von den Grundlagen zur Entstehung der Nesselsucht mit ihren verschiedenen Unterformen, über häufige Auslöser und Ursachen der Urtikaria (und wie diese gefunden werden können) und den Behandlungsmöglichkeiten werden alle wichtigen Themen besprochen. Im umfangreichen Anhang finden Sie eine Darstellung verschiedener Urtikariadiäten, Adressen von Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, eine kommentierte Liste mit weiterführender Literatur und viele nützliche Informationen mehr.

Jede(r) Vierte von uns erkrankt im Laufe ihres oder seines Lebens an einer Nesselsucht. Mehr als eine Million Patienten leiden alleine in Deutschland an der chronischen Form der Nesselsucht. Die gute Nachricht: In den vergangenen Jahren hat sich das Verständnis dieser Erkrankung erheblich verbessert und es stehen neue Möglichkeiten zur Verfügung, diese zu erkennen und zu behandeln. Dieser Ratgeber erklärt diese Neuerungen und wir hoffen, dass er vielen Betroffenen und deren Angehörigen zu einem hilfreichen Begleiter wird.

Berlin und Mainz im September 2014
Marcus Maurer und Petra Staubach

Was ist eigentlich...

Bei einer Urtikaria kommt es zum plötzlichen Auftreten von juckenden Quaddeln an der Haut. Dabei ist es egal, ob die Haut des ganzen Körpers oder nur ein Teil betroffen ist, oder, ob die Quaddeln nur nach bestimmten Reizen (z.B. Kälte oder Sonnenlicht) oder spontan, d.h. scheinbar ohne besonderen Grund auftreten. Nicht selten treten neben Quaddeln (manchmal auch ohne Quaddeln) tiefe Schwellungen der Haut, sogenannte Angioödeme auf.

Urtikaria ist eine der häufigsten Erkrankungen der Haut. Sie ist auch unter den Namen Nesselsucht, Quaddelsucht oder Nesselfieber, im Englischen auch als hives, bekannt. Ungefähr jeder vierte Mensch bekommt im Laufe ihres oder seines Lebens eine Urtikaria. Die meisten dieser Episoden dauern nur wenige Tage oder Wochen und sind unproblematisch. Man spricht dann von einer Akuten Urtikaria. Weitaus schwieriger (zu ertragen und zu behandeln) sind solche Fälle, die über mehrere Monate oder Jahre (mitunter Jahrzehnte) bestehen. Der Name Urtikaria leitet sich übrigens von der Brennnessel (lat. Urticaria dioica oder Urticaria urens, urere = brennen) ab - sicher deshalb, weil die Haut bei einer Nesselsucht so aussieht, als habe man sich an Brennnesseln "verbrannt".

Von Quaddeln spricht man immer dann, wenn die Haut so aussieht, als wäre man mit Brennnesseln in Berührung gekommen. Bei frisch aufgetretenen Quaddeln sieht man also auf der Haut weißliche kleine "Hubbel" und die umgebende Haut ist gerötet.
Quaddeln bestehen hauptsächlich aus Wasser, das aus den Blutgefäßen in die Haut freigesetzt wurde. Dadurch werden die kleinsten Blutgefäße der Haut zusammengedrückt und können weniger Blut transportieren, so dass die Haut einen weißlichen Farbton annimmt.
Quaddeln durchlaufen bei ihrer Entstehung (zumindest theoretisch) drei Phasen: Zuerst kommt es zu einer Rötung der Haut. Auf dieser geröteten Haut entsteht dann eine Erhebung durch den Austritt von Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Gewebe. Zuletzt entsteht um diese Quaddel die sogenannte Reflexrötung. Diese von Lewis beschriebene "triple response" ist allerdings nicht immer eindeutig zu erkennen. Manchmal entstehen die Quaddeln so schnell, dass man die verschiedenen Stadien gar nicht unterscheiden kann. Schließlich gibt es noch einige besondere Quaddeln. Von sogenannten Riesenquaddeln spricht man, wenn die Erhebungen auf der Haut nicht nur einige Millimeter groß sind, sondern sich flächenhaft auf der Haut ausbreiten. Nicht immer müssen die Quaddeln weißlich und die umgebende Haut gerötet sein. Manchmal ist es genau umgekehrt. Vor allem wenn Quaddeln länger als nur einige Minuten oder wenige Stunden bestehen bleiben, nehmen sie oft einen rötlich-braunen Farbton an, während das umgebende Reflexerythem abblasst. Schließlich können Quaddeln auch weder rot noch weiß sein und eine ganz andere Farbe haben, z.B. gelblich, wie bei den stecknadelkopfgroßen Quaddeln der cholinergischen Urtikaria.

Einfach gesagt: ein Angioödem ist eine Quaddel der tieferen Haut. Während bei der Quaddel direkt unter der Hautoberfläche Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt, liegt das "Leck" beim Angioödem in den tieferen Hautschichten. Die entstehende Beule hat deshalb einen weniger gut sichtbaren Rand und ist in der Farbe von normaler Haut oft nicht zu unterscheiden. Angioödeme treten häufig im Gesichtsbereich und an den Händen und Füßen auf. Besonders um die Augen und an den Lippen kommt es wegen der besonderen Beschaffenheit der Haut leicht zu starken Schwellungen.

Meistens sind die Schwellungen im weiteren Sinne allergiebedingt und werden durch den Botenstoff Histamin vermittelt. Es gibt aber auch andere, nicht-allergische und nicht-Histamin-vermittelte Ursachen für Haut- und Schleimhautschwellungen. Da diese Angioödeme sehr viel seltener sind, bleiben die Ursachen oft lange Zeit unerkannt. Auf unserer Partnerseite undefinedwww.angiooedem.net haben wir diese Angioödeme ausführlich beschrieben.

Neben der Tatsache, dass Quaddeln und tiefe Hautschwellungen vor allem im Gesichtsbereich vorübergehend zu ausgeprägten Entstellungen führen können, ist der Juckreiz das größte Problem für Patientinnen und Patienten mit einer Nesselsucht. Vor allem nächtlicher Juckreiz kann extrem belastend sein, denn er raubt den Schlaf und wenn es die Antihistaminika (Medikamente gegen Nesselsucht und Allergien, von denen manche müde machen) nicht getan haben, dann sind es die schlaflosen Nächte, die einen am nächsten Tag vor Müdigkeit kaum die Augen offen halten lassen.
Besonders schlimm ist der Juckreiz für Betroffene, die an einer nicht seltenen Sonderform der Urtikaria leiden, der sogenannten Urticaria Factitia. Hier kommt es gerade durch das Kratzen und Reiben der Haut zum Auftreten neuer Quaddeln und weiterem Juckreiz - der Beginn eines Teufelskreises. Kleinste Reizungen der Haut, z.B. unbewusstes Reiben der Haut im Schlaf, können reinste Juckreizattacken hervorrufen. Patienten berichten dann (meist zu Recht), sie hätten sich "kaputt gekratzt". Juckreiz ist ungemein schwierig zu ignorieren! Versuchen Sie einmal, sich nicht zu kratzen, wenn es irgendwo juckt (z.B. beim nächsten Mückenstich). Immer wiederkehrender Juckreiz kann (vergleichbar mit immer wiederkehrenden Schmerzen) eine enorme Belastung bedeuten und eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität zur Folge haben.

Aktuelles

Mastozytosen sind eine seltene Gruppe von Erkrankungen, die durch eine erhöhte Anzahl von Mastzellen in verschiedenen Organen, meist in der Haut (kutane Mastozytosen) und/oder im Knochenmark (Systemische Mastozytosen),...

Weiterlesen

In diesem Jahr stehen in der geplanten Welt-Allergie Woche vom 2-8. April 2017 vorwiegend die Urtikaria Patienten im Mittelpunkt.

Weiterlesen

UCARE steht für Urtikaria Zentren - Centers of Reference and Excellence. Das UCARE Netzwerk wird von UNEV unterstützt!

Weiterlesen

Auch dieses Jahr ist es am 1. Oktober 2017 wieder soweit: Der 4. Welt-Urtikaria-Tag findet statt.

Weiterlesen